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Jungs spielen mit Autos und Mädchen mit Puppen. Ein Klischee, das sich so hartnäckig in den Köpfen hält wie die Annahme, dass Buben besser mit Technik umgehen können als Mädchen. In den letzten Jahren konnte aber immer wieder bewiesen werden, dass Mädchen in technischen Berufen genauso gut Fuß fassen können, wie ihre männlichen Altersgenossen. Wer sich für Technik interessiert, sollte in diesem Interesse gefördert werden. Der internationale Aktionstag „Girls‘ Day“ sorgt beispielsweise dafür, dass junge Mädchen in typische ‚Männerberufe‘ hineinschnuppern können.

Braucht man denn aber einen einzelnen Tag, damit Mädchen ihr Interesse an Technik oder Naturwissenschaft bekunden oder erweitern können? Nein, definitiv nicht! Mädchen, die sich auch ohne diesen Tag für Technik begeistern können, sollten sich nicht verstecken müssen.

Für viele Mädchen beginnt die Begeisterung für Technik bereits zu Hause, indem sie  – zum Beispiel – dem Vater manches Mal bei Reparaturen im oder um das Haus herum helfen können. Dazu gehört durchaus auch das simple Wechseln einer Glühlampe. Doch wie funktioniert eine Lampe oder ein Stromkreis überhaupt? Das wissen viele gar nicht, weil sie es nicht hinterfragen. Wer aber tiefer in die Materie hineinblicken möchte, wird sich schnell einige Fragen stellen, die auch der Papa nicht immer beantworten kann. Dafür ist es wichtig und notwendig, dass das technische Verständnis aller Kinder und Jugendlicher auch an der Schule gefördert wird. Schulen können darüber hinaus auch außerschulische Förderangebote vermitteln.

Wichtig ist allerdings, dass sich junge Mädchen nicht einschüchtern und sich nicht durch Mitschüler oder Lehrer beeinflussen lassen. Denn ihr Mädels habt es ganz allein selbst in der Hand, für was ihr euch interessiert und mit was ihr euch beschäftigen wollt. Wenn ihr euch also für Technik aller Art interessiert, dann informiert euch vorher auf alle Fälle über Förderangebote oder Praktika (siehe Menüpunkt Webadressen). Das hilft auch bei der Entscheidung, in welchen Bereich der Technik ihr hineinschauen wollt. So lernt ihr also auch eure eigenen Interessen besser kennen. Denn Technik ist ja nicht gleich Technik. In der Schule kann man oft noch nicht genau einschätzen, was einem besonders liegt, also ist es hilfreich, sich bereits frühzeitig zu orientieren und selbst zu hinterfragen, was genau einen eigentlich interessiert.

Fasziniert euch vielleicht die Funktion eines Stromkreises mehr als der Aufbau eines Motors? Erforscht ihr vielleicht lieber die Wunder des Magnetismus oder baut ihr mit euren eigenen Händen gerne nützliche Dinge? Technik ist so vielfältig, dass man da ganz schnell mal die Orientierung verlieren kann. Es ist aber durchaus ratsam, in verschiedene Bereiche hineinzuschnuppern, um dann die richtige Berufsausbildung zu finden.

Technische Berufsausbildungen gibt es beinahe wie Sand am Meer. Von digitalen Ausbildungen wie Mediengestaltung bis hin zum Mechaniker in einer Autowerkstatt, stehen auch euch Mädchen alle Türen offen. Ein digitaler Job vermittelt euch zwar eher die Funktion eines Computers oder eines bestimmten Programms, aber auch die Informatik ist ein wichtiger Bestandteil des großen Berufsfeldes Technik. Wem programmieren und Codes schreiben allerdings nicht liegt, kann sich dann ja eher in einem anderen technischen Beruf üben. Die Physik bietet vielfältige Felder, die Elektronik oder Mechanik noch weit überschreiten.

Über die Technik hinaus gibt es auch Berufe, die zusätzlich zum technischen Verständnis Kreativität fordern. In vielen Jobs kann man beides vereinen, ohne einen der Aspekte zu vernachlässigen. Um Architektin zu werden, benötigt ihr zwar ein Studium, aber es gibt eine Ausbildung zum Technischen Zeichner, in dem ihr auch räumliches Verständnis mitbringen solltet. Dabei werdet ihr aber lernen, dass die Technik keine maßlose Freiheit an Kreativität bietet. Solltet ihr euch sowohl technisch als auch kreativ austoben wollt, solltet ihr eventuell doch noch mal einen Gedanken an die Informatik beziehungsweise den Mediengestalter richten, denn dort ist je nach Job mehr Freiheit gegeben. Auch im handwerklich-technischen Bereich könnt ihr tätig werden. In solchen Berufen habt ihr die Möglichkeit, mit euren eigenen Händen nützliche Dinge zu gestalten.

Um euch für einen bestimmten Beruf zu entscheiden, braucht ihr also vor allem Interesse, Motivation und ein Händchen dafür, eure Fähigkeiten einzuschätzen. Mädchen, die gerne Stromkreise erforschen, finden ihren Traumjob wohl eher in der Elektrotechnik, als im Handwerk. Mädels, die aber lieber kreative Ideen technisch umsetzen, wären dann eher in der Informatik oder gar der Forschung zur Robotik gut aufgehoben. Aber ihr solltet euch unbedingt im Klaren darüber sein, dass viele Berufe nur mit einem Studium ausführbar sind. Das heißt aber nicht, dass man mit einer technischen Berufsausbildung schlechter steht. Ihr werdet euch in der Praxis nach der Ausbildung definitiv besser auskennen, als eure studierten Kollegen, die gerade frisch von der Universität kommen.

Um Theorie und Praxis so gut es geht zu verbinden, könnt ihr daher vielleicht auch mal über ein duales Studium nachdenken, dass nämlich eine Berufsausbildung mit einem Studium kombiniert. Eine weitere Möglichkeit wäre es auch, nach der Ausbildung ein Studium aufzugreifen. Damit erhaltet ihr beispielsweise die Chance, euch nicht nur technisch weiterzubilden, sondern auch einen bedeutenden Beitrag zur aktuellen technischen Forschung zu leisten.

Ganz ohne ein Studium ist der Erfolg in technischen Berufen aber auch durchaus möglich, wenn man seine Stärken einzusetzen weiß. Trotz einer eingeführten Frauenquote haben es Mädchen und Frauen in einigen Firmen immer noch schwer, sich durchzusetzen. Das wird sich in den kommenden Jahren hoffentlich ändern, aber auch schon jetzt gilt, dass Mädchen im Prinzip auch all das machen können, was Jungs auch können. Die Jagd auf Ausbildungen wird für Mädchen aber aktuell leider noch etwas schwieriger sein. Daher bietet es sich an, dass ihr euch schon frühzeitig informiert und euch vor Gesprächen in Firmen bereits einen Plan zurecht gelegt habt. Dieser sollte eure Stärken, aber eure Schwächen, eure Interessen und eure Faszinationen enthalten. Vorwissen mitzubringen ist dabei auch nicht ganz verkehrt und da bietet sich beispielsweise ein Tag-der-offenen-Tür oder eben auch der Girls-Day hervorragend für an.

Also Mädels, habt Mut und traut euch ran an die Technik!

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